„Miteinander mehr LebensWert entfalten“

Bericht von „frau und beruf“ | Mai 2022

Foto: Benedikt Walther

Nach einer familiären Umbruchsituation hat sich die naturverbundene Diplomingenieurin Kirsten Seydelmann dazu entschieden, ihr Leben neu auszurichten. Mit Unterstützung der Kontaktstelle Ostwürttemberg – Ostalbkreis hat sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und arbeitet an dem Aufbau einer digitalen Plattform mit dem Ziel, umweltbewusste Akteur:innen aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft zu vernetzen und gemeinsam nachhaltige Projekte und Ideen für eine lebenswerte Zukunft zu entwickeln.

Von der Idee zur Umsetzung
„Mir geht es darum, den Dingen, die wirklich zählen, Raum zu geben; das Thema Natur und Nachhaltigkeit sichtbarer zu machen“, erklärt Kirsten Seydelmann ihr Anliegen. „Die Entwicklung von Wertschätzung und Achtsamkeit für die Natur und das Bewahren der Biodiversität – das ist mir wichtig.“ Damit aus dieser Vision ein konkretes Geschäftskonzept wird, hat sich die 49-Jährige Unterstützung von der Kontaktstelle Ostwürttemberg – Ostalbkreis geholt.

„Als ich das erste Mal Kontakt zu Frau Morlock von der Kontaktstelle aufnahm, war ich auf der Suche nach Orientierung und einer neuen sinnstiftenden Herausforderung. Ich wollte meine Ressourcen für etwas Sinnvolles einsetzen“, erinnert sich Kirsten Seydelmann. „Gemeinsam haben wir Fähigkeiten, Kompetenzen und Potenziale analysiert und geschaut, welche Perspektiven sich daraus für meine Zukunft ableiten lassen. Das hat mir viel Klarheit und Motivation gegeben.“

Als die Grundrisse der Unternehmensidee immer klarer wurden, unterstützte die Kontaktstelle die zweifache Mutter dabei, verschiedene Szenarien durchzuspielen und mögliche Entwicklungspotenziale zu eruieren: „Zu Beginn der Gründung stehen natürlich ganz viele Fragen im Raum“, weiß die Gründerin. „Zum Beispiel, welche Rechtsform sich anbietet: Wollen wir eine (gemeinnützige) Unternehmung sein oder uns doch lieber genossenschaftlich organisieren? Was sind die jeweiligen Auflagen dafür? Da habe ich von der Erfahrung und den Kontakten meiner Beraterin sehr profitiert.“

Netzwerken und Workshops
Die erfahrene Beraterin empfahl Kirsten Seydelmann die Teilnahme an einer Netzwerkveranstaltung der Kontaktstelle, in der unter anderem der Frage nachgegangen wurde, wie Digitalisierung und Plattformökonomie gestaltet werden und die Gründung von sozialwirtschaftlichen und werteorientierten Organisationen gelingen kann. Thematisch konnte der Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion genau an das Gründungsvorhaben der 49-Jährigen anknüpfen und wertvolle Eindrücke und Impulse liefern.

„Ein paar Monate später nahm ich an einem Marketing-Workshop der Kontaktstelle teil. Es ging um die Frage, wie Gründerinnen ihre Produkte und Dienstleistungen erfolgreich verkaufen und Begeisterung für ihre Geschäftsideen transportieren können“, erzählt die Diplomingenieurin, die auch eine Ausbildung zur Mediatorin absolviert hat und somit in puncto Kommunikation geschult ist. Die Teilnehmenden erlernten Strategien zur zielgerichteten Ansprache von potenziellen Kund:innen und zur Herstellung sozialer Verbindlichkeit im Verkaufsgespräch.

Talent- und Nachwuchsförderung
Momentan befindet sich Kirsten Seydelmann mit ihrem Nachhaltigkeitsmodell in der Aufbauarbeit, der Kontakt zur Kontaktstelle ist aber nicht abgerissen: „Wir treffen uns 3-4 Mal im Jahr, besprechen strategische Herausforderungen und skizzieren mögliche Lösungsansätze. Ich fühle mich wirklich gut aufgehoben. Durch die kompetente und vertrauensvolle Beratung auf Augenhöhe habe ich den Mut gefunden, weiterzumachen und am Ball zu bleiben. Ich finde es wichtig, Frauen einen Rahmen zu geben, in dem ihre Bedarfe gesehen, besprochen und Perspektiven zur Umsetzung entwickelt werden“.

Deshalb ist der ehrgeizigen Unternehmerin aus Aalen Talent- und Nachwuchsförderung ein wichtiges Anliegen: „Frau Morlock von der Kontaktstelle hat mir einen Kontakt als Talentscout an der hiesigen Hochschule vermittelt. Dort scanne ich das Gründungspotenzial von Abschlussarbeiten“. Momentan begleitet Kirsten Seydelmann eine Studentin als Mentorin, „um Ideen- und Gestaltungsqualität in die konkrete Umsetzung zu bringen und den Studierenden Mut zu machen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Und dadurch Innovationsimpulse in die Wirtschaft zu tragen.“

„Miteinander mehr LebensWert entfalten“
Durch die Auseinandersetzung mit sich selbst hat die Akademikerin gelernt, Erfolg breiter zu definieren: „Es geht nicht nur um den monetären Erfolg, sondern auch um Zukunftssicherung; darum, mit seiner Arbeit einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen und für die Allgemeinheit zu wirken.“ Für die Zukunft wünscht sich die 49- Jährige, dass es ihr gelingt, mehr Menschen aus Wirtschaft und Gesellschaft für das Thema Nachhaltigkeit zu interessieren und zum konkreten Handeln zu motivieren. „Große Ziele, kleine Schritte, langer Atem – so wird aus dem ‚Abenteuer‘ Nachhaltigkeit ein operationaler und sinnvoller Weg in die Zukunft. Miteinander mehr LebensWert entfalten – das ist das Ziel“, resümiert die Nachhaltigkeitsgründerin.